Mini-Elternkurs: ADHS im Familienalltag
Fünf kurze Lektionen für Eltern von Kindern mit ADHS, kostenlos und ohne Anmeldung. Jede Lektion dauert etwa fünf Minuten zum Lesen und endet mit einer kleinen Aufgabe für die nächsten Tage. Am besten nehmen Sie sich eine Lektion pro Woche vor.
ADHS Pädagogik ist ein pädagogisches Konzept für die Erziehung von Kindern mit ADHS – entwickelt von Julian Fricke. Der Kurs beschreibt Erziehung und Alltag. Er ersetzt keine Diagnose und keine Therapie.
So nutzen Sie den Kurs: Lesen Sie eine Lektion, probieren Sie die Aufgabe eine Woche lang aus und notieren Sie kurz, was sich verändert hat. Erst dann kommt die nächste Lektion.
Lektion 1: Verstehen vor Verändern
Herausforderndes Verhalten hat Gründe. Kinder mit ADHS können Impulse schwerer bremsen, erleben Gefühle oft stärker und brauchen mehr Struktur als andere Kinder. Das ist keine Absicht und kein Erziehungsfehler.
Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich der genaue Blick: Wann wird es schwierig? Was war direkt davor? Was hätte Ihr Kind in diesem Moment gebraucht?
Ihre Aufgabe: Notieren Sie eine Woche lang jeden größeren Konflikt mit Uhrzeit, Situation und dem, was direkt davor passiert ist. Markieren Sie am Ende die zwei Situationen, die am häufigsten vorkommen.
Weiterlesen: Verstehen vor Verändern
Lektion 2: Struktur sichtbar machen
Kinder mit ADHS haben es schwer, mehrere Schritte im Kopf zu behalten. Ein sichtbarer Plan übernimmt diese Aufgabe. Sie müssen weniger erinnern, Ihr Kind kann selbstständiger handeln.
Nehmen Sie eine der beiden Situationen aus Lektion 1, zum Beispiel den Morgen oder die Hausaufgaben. Legen Sie fünf bis sieben Schritte fest, ordnen Sie jedem ein Bild zu und hängen Sie den Plan dort auf, wo die Schritte passieren.
Ihre Aufgabe: Erstellen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind einen Bildplan für eine schwierige Situation und nutzen Sie ihn jeden Tag. Vorlagen finden Sie bei den Checklisten.
Weiterlesen: Morgenroutine mit ADHS
Lektion 3: Klar auffordern, wenige Regeln
Viele Konflikte entstehen durch unklare oder zu viele Aufforderungen. Was hilft:
- Aufmerksamkeit holen: hingehen, Namen sagen, Blickkontakt.
- Kurz bleiben: „Schuhe anziehen, bitte.“
- Eine Aufforderung nach der anderen.
- Als Aussage, nicht als Frage: „Willst du dich anziehen?“ lädt zu einem Nein ein.
Dazu kommen drei bis fünf positiv formulierte Familienregeln, die sichtbar hängen.
Ihre Aufgabe: Schreiben Sie mit Ihrem Kind drei Familienregeln auf und hängen Sie sie auf. Achten Sie eine Woche lang darauf, jede Aufforderung einzeln und mit Blickkontakt zu geben.
Weiterlesen: 10 Grundregeln für den Alltag mit ADHS
Lektion 4: Gelungenes sehen und Beziehung stärken
Kinder mit ADHS hören oft deutlich mehr Kritik als andere Kinder. Das kann ihr Selbstbild belasten. Konkretes, schnelles Lob für Gelungenes wirkt dagegen stärker als jede Ermahnung. Genauso wichtig ist gemeinsame Zeit, in der es keine Anforderungen gibt.
Ihre Aufgabe: Geben Sie jeden Tag mindestens drei konkrete Rückmeldungen für Gelungenes, zum Beispiel: „Du hast gewartet, bis ich fertig war. Das war stark.“ Planen Sie täglich zehn Minuten, in denen Ihr Kind bestimmt, was Sie zusammen spielen.
Weiterlesen: ADHS-Stärken bei Kindern
Lektion 5: Ruhig bleiben und auf sich achten
Wenn es kracht, ist Ihre Ruhe das wichtigste Werkzeug. Im Wutausbruch helfen Sicherheit, wenige Worte und eine Grenze, die bestehen bleibt. Geklärt wird später. Damit Sie ruhig bleiben können, brauchen Sie selbst Kraft, also Pausen, Unterstützung und Austausch.
Ihre Aufgabe: Legen Sie einen Satz fest, den Sie im nächsten Wutausbruch sagen, etwa „Ich bin da. Ich warte, bis du ruhiger bist.“ Planen Sie für sich selbst jeden Tag eine feste Pause von zehn Minuten.
Weiterlesen: ADHS-Wutanfälle beim Kind · Entlastung für Eltern
Wie geht es weiter?
Nach fünf Wochen haben Sie die wichtigsten Grundlagen ausprobiert. Wenn Sie merken, dass Sie an einzelnen Stellen nicht weiterkommen, ist ein Blick von außen oft hilfreich. Im Elterntraining der Erziehungsberatung vertiefen wir diese Themen gezielt für Ihre Familie. Ein unverbindliches Erstgespräch ist der erste Schritt.
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