
Was Kinder mit ADHS eigentlich sagen möchten
Kinder mit ADHS erleben jeden Tag Gefühle und Gedanken, für die ihnen oft die Worte fehlen. Was nach außen wie Trotz, Lärm oder Unhöflichkeit aussieht, ist häufig ein Versuch, mit zu viel auf einmal fertig zu werden.
Die kurze Antwort: Hinter vielen schwierigen Verhaltensweisen von Kindern mit ADHS steckt eine Botschaft. Wer diese Botschaft übersetzt, kann gezielter helfen, und das Kind fühlt sich verstanden statt beschämt.
ADHS Pädagogik ist ein pädagogisches Konzept für die Erziehung von Kindern mit ADHS – entwickelt von Julian Fricke. Ein Grundgedanke dabei stammt vom Psychologen Ross Greene: Kinder machen es gut, wenn sie es können. Wenn es nicht klappt, fehlt meist eine Fähigkeit, nicht der Wille.
Was Kinder mit ADHS eigentlich sagen möchten
„Ich brauche keine Extra-Regeln, sondern klare Strukturen.“
Viele Regeln überfordern das Arbeitsgedächtnis. Wenige, sichtbare Regeln und feste Abläufe geben dagegen Halt. Das hilft: drei bis fünf Familienregeln aufschreiben, mit Bildern ergänzen und gut sichtbar aufhängen.
„Ich bin nicht laut, um zu stören – ich habe einfach zu viel Energie.“
Bewegungsdrang ist bei vielen Kindern mit ADHS kein Fehlverhalten, sondern ein Bedürfnis. Das hilft: feste Bewegungspausen, ein Trampolin, ein Weg zum Briefkasten, bevor die Hausaufgaben beginnen.
„Ich denke schneller, als ich es ausdrücken kann.“
Gedanken springen, Worte kommen nicht hinterher, und dann wird unterbrochen oder hineingerufen. Das hilft: Geduld beim Zuhören, kurze Rückfragen und ein Notizzettel für Ideen, die sonst verloren gehen.
„Ich will ja, aber ich vergesse es.“
Aufträge mit mehreren Schritten gehen schnell verloren. Das hilft: eine Bitte nach der anderen, Blickkontakt und ein Bildplan für wiederkehrende Abläufe. Mehr dazu auf der Themenseite Routinen.
„Wenn ich explodiere, bin ich selbst überfordert.“
Wut ist bei Kindern mit ADHS oft ein Signal, dass zu viel auf einmal kam: Frust, Müdigkeit, Hunger, ein unerwartetes Nein. Das hilft: im Moment ruhig bleiben und wenig sprechen, danach in Ruhe benennen, was passiert ist. Mehr dazu auf der Themenseite Wut.
„Ich höre so oft, was ich falsch mache.“
Kinder mit ADHS bekommen deutlich mehr Kritik als andere Kinder. Das nagt am Selbstwert. Das hilft: bewusst und konkret loben, wenn etwas gelingt, und Stärken benennen.
Wie Sie die Botschaft hinter dem Verhalten finden
- Beobachten: Wann genau tritt das Verhalten auf? Was war direkt davor?
- Übersetzen: Welche Fähigkeit fehlt gerade, welches Bedürfnis ist nicht erfüllt?
- Unterstützen: Was kann die Situation leichter machen, bevor sie entsteht?
- Würdigen: Was gelingt Ihrem Kind schon, und wie können Sie das sichtbar machen?
Der kostenlose Wut-Auslöser-Check hilft Ihnen beim ersten Schritt.
Verständnis heißt nicht, alles durchgehen zu lassen
ADHS ist keine Ausrede, weder für Kinder noch für Erwachsene. Verständnis bedeutet, dem Kind die Hilfe zu geben, die es braucht, um Verantwortung übernehmen zu können. Klare Grenzen und liebevolles Verstehen gehören zusammen.
Unterstützung für Ihre Familie
Im Empathie- und Sozialkompetenztraining lernen Kinder, ihre Gefühle zu benennen und mit Wut umzugehen. In der Erziehungsberatung übersetzen wir gemeinsam das Verhalten Ihres Kindes und finden passende Schritte für den Alltag. Alle Angebote finden Sie in der Übersicht.
Kostenlose Hilfen und persönliche Unterstützung
- Selbstchecks: in drei Minuten die eigene Situation einordnen – zu den Selbstchecks
- Mini-Elternkurs: fünf kurze Lektionen für den Familienalltag – zum Elternkurs
- Checklisten: zum Ausdrucken für Kühlschrank und Kinderzimmertür – zu den Checklisten
- Alle Angebote: Beratung, Kurse, Training und Fortbildungen – zur Übersicht
- Erstgespräch: unverbindlich, in Berlin oder online – Termin anfragen
Weitere Themen: Wut · Lernen · Familie · Schule und Kita · Medien · Routinen · Alle Fragen zu ADHS und Erziehung
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