Empathie- und Sozialkompetenztraining: Inhalte und Ablauf
ADHS Pädagogik ist ein pädagogisches Konzept für die Erziehung von Kindern mit ADHS – entwickelt von Julian Fricke. Im Empathie- und Sozialkompetenztraining lernt Ihr Kind Schritt für Schritt, Gefühle zu erkennen, Impulse zu bremsen und mit anderen gut auszukommen. Sie als Eltern arbeiten parallel mit, damit das Gelernte auch im Alltag ankommt.
Kinder mit ADHS fühlen oft intensiver. Wut ist dabei selten Trotz, sondern meist ein Zeichen von Überforderung. Viele Kinder spüren, dass etwas in ihnen hochkocht, haben aber noch keine Worte und keine Strategie dafür. Genau das üben wir im Training: in kleinen Schritten, spielerisch und mit vielen Erfolgserlebnissen.
Das Wichtigste in Kürze
- Format: Einzeltraining für Ihr Kind, in Berlin.
- Eltern: arbeiten parallel mit und erhalten zu jedem Baustein Ideen für zu Hause.
- Inhalte: Gefühle erkennen, Wut regulieren, Impulse stoppen, Perspektiven wechseln, Konflikte lösen, Stärken entdecken.
- Ziel: Ihr Kind wird sicherer im Umgang mit sich und anderen. Das Training ist pädagogisch, es ist keine Therapie.
Die sechs Bausteine des Trainings
1. Gefühle erkennen und benennen
Mit Gefühlskarten, Bildern und kleinen Spielen lernt Ihr Kind, Gefühle bei sich und anderen zu erkennen. Wer sagen kann „Ich bin wütend“ oder „Ich bin enttäuscht“, muss es seltener mit dem Körper zeigen.
2. Körpersignale und die Wut-Ampel
Wut kündigt sich an: heißer Kopf, Fäuste, schneller Atem. Ihr Kind lernt diese Signale kennen und ordnet sie der Wut-Ampel zu. Grün heißt alles gut, gelb heißt Achtung, rot heißt Stopp und Pause. Für jede Farbe gibt es eine passende Strategie.
3. Impulse stoppen: Stopp – Denken – Handeln
Kinder mit ADHS handeln oft, bevor sie nachdenken. Mit einer einfachen Formel üben wir die kleine Pause dazwischen: erst anhalten, dann kurz überlegen, dann handeln. Was im Training geübt wird, erinnern Eltern zu Hause mit denselben Worten.
4. Perspektive wechseln und Empathie
Wie fühlt sich mein Freund, wenn ich ihn unterbreche? Was denkt die Lehrerin, wenn ich reinrufe? Mit Rollenspielen und Geschichten übt Ihr Kind, sich in andere hineinzuversetzen. Das ist die Grundlage für Freundschaften.
5. Konflikte lösen und Freundschaften pflegen
Abwarten, mitspielen, verlieren können, sich entschuldigen, Kompromisse finden: Diese Fähigkeiten üben wir an echten Situationen aus dem Alltag Ihres Kindes, zum Beispiel aus dem Pausenhof oder dem Streit mit Geschwistern.
6. Stärken entdecken
Kinder mit ADHS hören oft, was sie falsch machen. Im Training sammeln wir bewusst, was Ihr Kind gut kann: Ideenreichtum, Energie, Humor, Hilfsbereitschaft. Ein gestärktes Selbstwertgefühl macht es leichter, Neues zu lernen.
So arbeiten Eltern mit
Ein Training wirkt nur, wenn das Gelernte auch zu Hause und in der Schule auftaucht. Deshalb erhalten Sie zu jedem Baustein kurze Hinweise: welche Worte wir nutzen, welche Übung Sie zu Hause wiederholen können und wie Sie Ihr Kind loben, wenn es eine Strategie anwendet. In regelmäßigen Elterngesprächen besprechen wir, was im Alltag schon gelingt.
Hintergrund dazu ist das sogenannte Emotionscoaching nach John Gottman: Eltern nehmen Gefühle ernst, benennen sie und helfen dem Kind, einen guten Umgang damit zu finden. Kinder, deren Eltern so mit Gefühlen umgehen, können sich in Studien besser selbst beruhigen.
Für wen das Training passt
Das Training passt für Kinder im Kita- und Grundschulalter, die schnell wütend werden, sich in Gruppen schwer tun, oft in Streit geraten oder sich selbst als „schlecht“ erleben. Eine ADHS-Diagnose ist hilfreich, aber keine Voraussetzung. Wenn eine ärztliche oder therapeutische Abklärung sinnvoll ist, spreche ich das offen an.
Ablauf und Anmeldung
- Erstgespräch mit den Eltern: Wir klären, in welchen Situationen es schwierig wird und was Ihr Kind schon gut kann.
- Kennenlernen: Ihr Kind lernt mich und den Raum in Ruhe kennen.
- Training: regelmäßige Termine mit den sechs Bausteinen, in der Reihenfolge, die zu Ihrem Kind passt.
- Abschluss: gemeinsames Gespräch über Fortschritte und die nächsten Schritte.
Umfang, Termine und Kosten besprechen wir im Erstgespräch. Mehr zum Angebot finden Sie auf der Seite Empathie- und Sozialkompetenztraining, alle Angebote in der Übersicht. Wann die Wut bei Ihrem Kind am häufigsten hochkocht, zeigt Ihnen der kostenlose Wut-Auslöser-Check.
Häufige Fragen zum Training
Ist das Training eine Therapie?
Nein. Das Training ist ein pädagogisches Angebot. Es kann eine Psychotherapie oder ärztliche Behandlung ergänzen, aber nicht ersetzen.
Warum Einzeltraining und nicht in der Gruppe?
Im Einzeltraining können wir genau an den Situationen arbeiten, die Ihr Kind betreffen, und im Tempo Ihres Kindes. Was es dort gelernt hat, übt es anschließend in Kita, Schule und Familie.
Wie schnell sieht man Veränderungen?
Das ist von Kind zu Kind verschieden. Oft merken Eltern zuerst, dass ihr Kind Gefühle häufiger benennt oder schneller wieder zur Ruhe kommt. Große Veränderungen brauchen Zeit und Wiederholung.
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