Der ADHS Newsletter für Eltern

Hier finden Sie alle Ausgaben mit Tipps zu Wutanfällen, Schule, Gefühlen und Familienalltag mit ADHS. Lieber direkt ins Postfach? Melden Sie sich kostenlos an, abbestellen geht jederzeit mit einem Klick.

Empathie fördern Kinder ADHS: Gefühlskarten helfen beim Erkennen von Gefühlen

Empathie fördern bei Kindern mit ADHS: So gelingt Perspektivübernahme

Paul hat beim Kartenspiel gewonnen und jubelt laut durchs Wohnzimmer. Dass sein Freund Emil still die Karten hinlegt und den Tränen nahe ist, bemerkt er nicht. Am Abend fragt Paul traurig: „Warum will Emil nicht mehr mit mir spielen?“

Viele Eltern möchten bei ihrem Kind mit ADHS Empathie fördern, weil sie solche Momente kennen. Kinder mit ADHS sind oft sehr mitfühlend, übersehen im Eifer aber die Signale anderer. Empathie lässt sich üben: eigene Gefühle erkennen, Gefühle anderer wahrnehmen, die Perspektive wechseln und in Ruhe darüber sprechen. Am besten gelingt das an echten Situationen aus dem Alltag.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kinder mit ADHS haben nicht zu wenig Mitgefühl. Es geht im Moment oft unter.
  • Empathie beginnt mit dem Erkennen der eigenen Gefühle.
  • Perspektivübernahme lässt sich spielerisch und im Alltag üben.
  • Konflikte sind die besten Lerngelegenheiten, wenn sie in Ruhe nachbesprochen werden.
  • Erwachsene sind das wichtigste Vorbild.

Warum Empathie bei ADHS manchmal untergeht

Kinder mit ADHS fühlen oft sehr intensiv, auch mit anderen. Viele sind hilfsbereit, großzügig und können sich über das Glück anderer ehrlich freuen. Warum gelingt es dann im Alltag so oft nicht, Rücksicht zu nehmen?

Die Gründe liegen meist nicht im fehlenden Mitgefühl. Sie liegen in typischen ADHS-Schwierigkeiten:

  • Aufmerksamkeit: Feine Signale wie ein trauriger Blick werden im Trubel übersehen.
  • Impulsivität: Das Kind handelt, bevor es die Folgen für andere bedenkt.
  • Starke eigene Gefühle: Freude oder Ärger sind so laut, dass für die Gefühle anderer kaum Platz bleibt.

Das bedeutet: Ihr Kind braucht keine Moralpredigt, sondern Übung darin, kurz innezuhalten und hinzuschauen.

Warum Empathie und Sozialkompetenz so wichtig sind

Wer die Gefühle anderer erkennt, kann Freundschaften aufbauen und halten. Konflikte lassen sich leichter lösen, und das Kind erlebt sich als jemand, mit dem andere gern zusammen sind. Kinder mit ADHS erleben häufig Ablehnung durch Gleichaltrige. Gerade deshalb stärken soziale Kompetenzen auch das Selbstwertgefühl.

Auch die medizinische Fachleitlinie zu ADHS nennt soziales Kompetenztraining als einen möglichen Baustein der psychosozialen Unterstützung.

Der Weg zur Perspektivübernahme in vier Stufen

Empathie entsteht Schritt für Schritt. Diese Reihenfolge hilft bei der Begleitung:

  1. Eigene Gefühle erkennen und benennen: „Ich bin wütend.“ „Ich bin enttäuscht.“
  2. Gefühle bei anderen wahrnehmen: „Emil guckt traurig.“
  3. Die Perspektive wechseln: „Emil hat verloren. Das fühlt sich blöd an, das kenne ich.“
  4. Passend handeln: „Ich frage Emil, ob wir noch eine Runde spielen.“

Viele Kinder mit ADHS brauchen besonders auf der ersten Stufe Unterstützung. Wer seine eigenen Gefühle noch nicht benennen kann, kann auch die der anderen schwer einordnen.

6 Übungen für Zuhause, Kita und Schule

Gefühle-Detektiv im Bilderbuch

Schauen Sie beim Vorlesen gemeinsam auf die Gesichter: „Wie fühlt sich der Bär gerade? Woran erkennst du das?“ So üben Kinder ohne eigenen Druck, Gefühle zu lesen.

Gefühlskarten

Karten mit fröhlichen, traurigen, wütenden und ruhigen Gesichtern helfen beim Benennen. Am Abend kann Ihr Kind eine Karte für den Tag auswählen und erzählen, wann es sich so gefühlt hat.

Gefühle-Pantomime

Abwechselnd stellt eine Person ein Gefühl nur mit Gesicht und Körper dar, die anderen raten. Das macht Spaß und schärft den Blick für Körpersprache.

Rollentausch

Spielen Sie eine typische Streitsituation nach, aber mit vertauschten Rollen. Ihr Kind spielt das Geschwisterkind, Sie spielen Ihr Kind. Danach sprechen Sie darüber, wie sich die andere Rolle angefühlt hat.

Die „Wie geht es dir?“-Runde

Beim Abendessen erzählt jede Person kurz, was heute schön und was schwierig war. Die anderen hören zu und stellen eine Frage. Das übt Zuhören und echtes Interesse.

Gute Taten entdecken

Halten Sie fest, wenn Ihr Kind jemandem geholfen oder Rücksicht genommen hat. Ein Glas mit Murmeln oder eine Liste am Kühlschrank macht diese Momente sichtbar.

Soziale Konflikte als Lernchance nutzen

Nach einem Streit ist die beste Zeit zum Lernen, sobald alle wieder ruhig sind. Vier Fragen helfen beim Nachbesprechen:

  1. Was ist passiert?
  2. Wie ging es dir dabei?
  3. Wie ging es wohl dem anderen Kind?
  4. Was könntest du beim nächsten Mal tun?

Bleiben Sie neugierig statt anklagend. Ziel ist nicht, dass Ihr Kind sich schuldig fühlt, sondern dass es versteht, was im anderen vorging. Hilfreich ist auch eine Idee zur Wiedergutmachung. Wie Sie im akuten Streit ruhig bleiben, lesen Sie im Beitrag zu ADHS Wutanfälle Kind.

Was Erwachsene vorleben können

Kinder lernen Empathie vor allem durch Vorbilder. Benennen Sie Ihre eigenen Gefühle: „Ich bin gerade gestresst, weil wir spät dran sind.“ Zeigen Sie, wie Sie sich in andere hineinversetzen: „Die Verkäuferin hat viel zu tun, wir warten kurz.“ Und entschuldigen Sie sich, wenn Sie selbst laut geworden sind. So erlebt Ihr Kind, dass Fehler zum Leben gehören und sich wieder gutmachen lassen.

Das Empathie- und Sozialkompetenztraining von ADHS Pädagogik

Das Empathie- und Sozialkompetenztraining von ADHS Pädagogik wurde an einer Grundschule entwickelt und mit Kindern erprobt. Es findet im Einzelsetting statt, sodass Tempo, Übungen und Methoden an das Kind angepasst werden können. Gearbeitet wird spielerisch, im Gespräch und mit Situationen, die das Kind wirklich erlebt.

Im Training übt Ihr Kind:

  • Gefühle bei sich zu erkennen und zu benennen
  • mit Wut, Frust und Impulsen umzugehen
  • wahrzunehmen, wie es anderen geht
  • Konflikte zu lösen und im Kontakt zu bleiben
  • sicherer und selbstbewusster in sozialen Situationen zu werden

Die Eltern arbeiten parallel mit. Sie erfahren, woran ihr Kind gerade arbeitet, und erhalten Anregungen, wie sie die Themen zu Hause aufgreifen können.

Häufige Fragen zu Empathie bei ADHS

Haben Kinder mit ADHS weniger Empathie?

Nicht grundsätzlich. Viele Kinder mit ADHS sind sehr mitfühlend. Ihnen fällt es aber schwerer, im richtigen Moment auf die Gefühle anderer zu achten, weil Aufmerksamkeit, Impulse und eigene starke Gefühle dazwischenkommen. Mit Übung und Begleitung lässt sich das deutlich verbessern.

Ab welchem Alter können Kinder die Perspektive anderer übernehmen?

Die Fähigkeit entwickelt sich schrittweise im Kindergarten- und Grundschulalter und wächst bis ins Jugendalter weiter. Schon kleine Kinder können lernen, Gefühle zu benennen. Kinder mit ADHS brauchen dafür oft mehr Wiederholung und Unterstützung durch Erwachsene als Gleichaltrige.

Wie kann ich Empathie fördern, wenn mein Kind gerade wütend ist?

Im Wutmoment gar nicht. Dann geht es um Sicherheit und Beruhigung. Empathie üben Sie später, wenn alle wieder ruhig sind. Fragen Sie dann: „Wie ging es deiner Schwester, als du ihr Bild zerrissen hast?“ So entsteht Lernen ohne Druck.

Helfen Rollenspiele bei ADHS?

Ja, Rollenspiele sind für viele Kinder mit ADHS gut geeignet, weil sie Bewegung, Spaß und Lernen verbinden. Wichtig sind kurze Szenen, klare Rollen und ein Gespräch danach. Besonders wirksam ist es, Situationen nachzuspielen, die das Kind selbst erlebt hat.

Was ist ein Sozialkompetenztraining?

Ein Sozialkompetenztraining übt mit Kindern Fähigkeiten wie Gefühle erkennen, Kontakt aufnehmen, Konflikte lösen und Rücksicht nehmen. Es kann in der Gruppe oder einzeln stattfinden. Die Übungen orientieren sich idealerweise an Situationen, die das Kind aus seinem Alltag kennt.

Unterstützung durch ADHS Pädagogik

Wenn Sie sich für das Empathie- und Sozialkompetenztraining interessieren, klären wir in einem unverbindlichen Erstgespräch, ob das Training mit begleitender Elternarbeit passt. Für Fachkräfte bietet ADHS Pädagogik außerdem Workshops an. Ideen für den Gruppenalltag finden Sie im Beitrag zu ADHS Kita Erzieher und Anregungen für einen stärkenorientierten Blick unter ADHS Stärken Kinder.

Selbstcheck: Wie viel Kraft kostet Ihr Familienalltag gerade, und wo hakt es am meisten? Der kostenlose Familienalltag-Check zeigt es Ihnen in etwa drei Minuten. Zum Familienalltag-Check

ADHS Pädagogik ist ein pädagogisches Konzept für die Erziehung von Kindern mit ADHS – entwickelt von Julian Fricke. Mehr zum Thema auf der Seite Familie und ADHS, kurze Antworten auf häufige Fragen unter Fragen zu ADHS und Erziehung. Kostenlos für Eltern: der Mini-Elternkurs und die Checklisten zum Ausdrucken.

Diesen Newsletter per E-Mail bekommen

Sie möchten neue Ausgaben direkt in Ihr Postfach? Jetzt kostenlos anmelden. Abbestellen geht jederzeit mit einem Klick.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.