
Selbstbehauptung für Jugendliche mit ADHS: Grenzen setzen, Konflikte entschärfen
Ein falsches Wort auf dem Schulhof, ein Schubser im Bus, und schon eskaliert es. Jugendliche mit ADHS reagieren oft schneller und heftiger als andere. Hinterher tut es ihnen leid, aber in dem Moment ging es einfach nicht anders. Genau hier setzt Selbstbehauptung an.
Selbstbehauptungstraining hilft Jugendlichen mit ADHS, in Konflikten ruhiger zu bleiben, Grenzen klar und ohne Gewalt zu setzen und gefährliche Situationen früh zu erkennen. Selbstverteidigung ist dabei der letzte Schritt, nicht der erste.
ADHS Pädagogik ist ein pädagogisches Konzept für die Erziehung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS, entwickelt von Julian Fricke.
Das Wichtigste in Kürze
- Die meisten Konflikte lassen sich mit Haltung, Stimme und Abstand entschärfen.
- Jugendliche lernen, ihre eigenen Warnsignale vor einem Ausraster zu erkennen.
- Selbstverteidigung gibt Sicherheit, wenn es wirklich ernst wird.
- Wer sich sicher fühlt, muss weniger provozieren und weniger beweisen.
Warum Konflikte bei ADHS so schnell eskalieren
Bei ADHS ist die Fähigkeit, einen Impuls zu bremsen, oft schwächer ausgeprägt. Dazu kommen starke Gefühle und häufig Erfahrungen von Ablehnung. Viele Jugendliche sind deshalb schnell in Abwehrhaltung. Ein schiefer Blick kann wie ein Angriff wirken.
Die drei Stufen der Selbstbehauptung
- Wahrnehmen: Was passiert gerade in meinem Körper? Herzklopfen, heißer Kopf, geballte Fäuste. Wer diese Zeichen kennt, kann früher reagieren.
- Deeskalieren: Abstand nehmen, ruhig und klar sprechen, eine Grenze benennen: „Stopp. Lass das.“ Und dann gehen.
- Schützen: Wenn alles andere nicht hilft, sich wirksam befreien und Hilfe holen. Hier kommt Selbstverteidigung ins Spiel.
Was Jugendliche im Training lernen
- eine sichere Körperhaltung und eine feste Stimme
- Abstand halten und Fluchtwege erkennen
- Provokationen nicht persönlich nehmen
- sich aus Griffen befreien
- nach einem Konflikt wieder runterkommen
Warum das den Selbstwert stärkt
Viele Jugendliche mit ADHS haben oft gehört, dass sie stören oder anecken. Im Training erleben sie sich als jemand, der etwas kann und auf sich aufpassen kann. Dieses Gefühl macht ruhiger. Wer sich sicher fühlt, muss sich nicht ständig beweisen.
Häufige Fragen
Lernt mein Kind dort, sich zu prügeln?
Nein. Im Mittelpunkt stehen Deeskalation und Selbstschutz. Körperliche Techniken werden nur für den Notfall geübt, mit klaren Regeln und viel Verantwortung.
Mein Kind wird gemobbt. Hilft das?
Selbstbehauptung kann das Auftreten stärken und Wege zeigen, Hilfe zu holen. Bei Mobbing braucht es zusätzlich die Erwachsenen in Schule und Familie, die handeln.
Was können Eltern zu Hause tun?
Sprechen Sie in ruhigen Momenten über Konflikte: Was ist passiert? Wann hast du gemerkt, dass es zu viel wird? Was hättest du stattdessen tun können? Solche Gespräche ohne Vorwurf helfen sehr.
Selbstbehauptung in der Hyperfokus Akademie
In der Hyperfokus Akademie arbeiten ein Profi und ein Pädagoge zusammen mit den Jugendlichen. Mehr dazu auf der Seite ADHS Kampfsport und Selbstverteidigung. Wenn Wut und Konflikte auch zu Hause ein großes Thema sind, kann das Emotionstraining eine gute Ergänzung sein.
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