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Gefühle erkennen und benennen: Emotionstraining für Kinder mit ADHS

„Ich weiß auch nicht, warum ich so ausgerastet bin.“ Diesen Satz hören Eltern von Kindern mit ADHS oft, wenn der Sturm vorbei ist. Das Kind ist nicht unehrlich. Es konnte das Gefühl in dem Moment wirklich nicht greifen.

Kinder mit ADHS erleben Gefühle oft intensiver und können sie schwerer steuern. Emotionstraining hilft ihnen, Gefühle früh im Körper zu bemerken, sie zu benennen und Wege zu finden, damit umzugehen. Eltern können das im Alltag mit einfachen Mitteln unterstützen.

ADHS Pädagogik ist ein pädagogisches Konzept für die Erziehung von Kindern mit ADHS, entwickelt von Julian Fricke. Das Training von Gefühlen und Empathie ist ein zentraler Teil davon.

Das Wichtigste in Kürze

  • Was man benennen kann, kann man leichter steuern.
  • Gefühle zeigen sich zuerst im Körper.
  • Eltern sind die wichtigsten Vorbilder im Umgang mit Gefühlen.
  • Geübt wird in ruhigen Momenten, nicht mitten im Streit.

Warum Gefühle bei ADHS so stark sind

Bei vielen Kindern mit ADHS fällt nicht nur das Bremsen von Handlungen schwer, sondern auch das Bremsen von Gefühlen. Ärger, Enttäuschung oder Freude kommen schnell und mit voller Wucht. Dazu kommt: Wer oft kritisiert wird, ist empfindlicher für weitere Kritik. So entstehen schnell Kreisläufe aus Wut und Scham.

Fünf Schritte zu mehr Gefühlskompetenz

  1. Gefühle im Körper finden: Wo spürst du Wut? Im Bauch, in den Fäusten, im Kopf? Kinder lernen, frühe Warnsignale zu bemerken.
  2. Gefühle benennen: Ein Gefühlsbarometer oder Bildkarten helfen, Worte zu finden: genervt, enttäuscht, wütend, traurig.
  3. Stärke einschätzen: Ist die Wut gerade bei zwei oder schon bei neun? Eine Skala macht Gefühle greifbar.
  4. Strategien sammeln: Was hilft mir runterzukommen? Kissen boxen, kaltes Wasser, tief atmen, kurz rausgehen.
  5. Hinterher sprechen: Wenn alles ruhig ist: Was ist passiert? Was hat geholfen? Was probieren wir nächstes Mal?

Wie Eltern im Alltag helfen können

  • Benennen Sie Gefühle Ihres Kindes: „Ich glaube, du bist gerade richtig enttäuscht.“
  • Benennen Sie eigene Gefühle: „Ich bin gerade gestresst und brauche einen Moment.“
  • Lesen Sie Bücher und schauen Sie Filme mit Blick auf die Gefühle der Figuren.
  • Loben Sie, wenn Ihr Kind ein Gefühl erkannt hat, auch wenn das Verhalten noch nicht perfekt war.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann man damit beginnen?

Schon im Kindergartenalter. Kleine Kinder lernen zuerst einfache Begriffe wie froh, traurig und wütend. Mit der Zeit wird der Wortschatz feiner.

Was mache ich, wenn mein Kind mitten im Ausbruch ist?

Dann ist keine Zeit zum Üben. Sorgen Sie für Sicherheit, bleiben Sie ruhig und sprechen Sie wenig. Gelernt wird danach.

Hilft Emotionstraining auch bei Geschwisterstreit?

Ja. Wenn Kinder ihre eigenen Gefühle besser verstehen, können sie auch die der anderen besser einschätzen. Das ist die Grundlage für Empathie.

Emotionstraining bei ADHS Pädagogik

Im Emotionstraining üben Kinder und Jugendliche, Gefühle zu erkennen, zu verstehen und gut mit ihnen umzugehen. Eltern bekommen Ideen für zu Hause. Mehr zum Thema Wut finden Sie im Beitrag Verstehen vor Verändern.

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